Unser Kopf ist nicht nur für die Haare da!

In meinem Blog ist eine meiner Aussagen, dass das Leben auch ohne Haare schön ist! Dass man sein „Glück“ nicht an Äußerlichkeiten festmachen sollte – das Leben hält so viele andere schöne Dinge für einen bereit!

Aber was genau ist ein schönes Leben? Was macht ein schönes Leben denn aus? Da hat sicher jeder so seine eigene Ansicht und jeder definiert ein schönes Leben ganz individuell.

Da ich ein interessierter Mensch bin, bin ich dieser Frage nachgegangen und diskutiere diese derzeit in einem kleinen und feinen Kreis von philosophisch Interessierten. Die Plattform hierfür bieten uns Esther Kraus und Armin Müller – die Gründer von Philosurfers. Die Beiden führen mit viel Leidenschaft und Herz sehr unterhaltsam und kurzweilig durch den Kurs. Mein erster Kurs bei Esther und Armin hat den KAPITALISMUS beleuchtet und ich gebe zu, ich war unsicher ob das was für mich ist –  ich befürchtete nur mit lauter „super-schlauen“ Philosophen am Tisch zu sitzen und mich gehörig zu blamieren. Aber die Philosurfers haben mich so begeistert! Ich habe viele verschiedene Ansichten diskutiert und – ganz wichtig – an dem Abend auch ganz viel gelacht! Philosophie ist nicht langweilig!

Nach meinem Kurs bei den Philosurfers habe ich Esther und Armin von meinem Blog erzählt und gefragt, ob ich einen Beitrag über Philosurfers und die aktuelle Kurs-Reihe „WAS IST EIN GUTES LEBEN?“ schreiben darf. Die Antwort hieß zu meiner Freude: JA! 😊

Melanie: Hallo Esther und Armin! Vielen lieben Dank noch mal, dass Ihr Euch die Zeit nehmt und Euch meiner kleinen Fragerunde stellt. Ihr Beide seid die Köpfe von Philosurfers. Mögt Ihr kurz erzählen wie Ihr Euch kennengelernt habt und wie Ihr auf die Idee gekommen seid Philosurfers ins Leben zu rufen? 

Esther: Es war einmal an der Uni Mainz – da haben wir uns vor mittlerweile einigen Jahren im Philosophiestudium kennen gelernt. Danach haben wir beide unterschiedliche Tätigkeiten ausgeübt: in der freien Wirtschaft, im Bereich Pressearbeit und in der Hochschulverwaltung. Die Idee zu den Philosurfers kam aus dem Bedürfnis, die lange brach liegenden Inhalte des Studiums fruchtbar zu machen, da die Ansätze und Herangehensweisen der Philosophie angesichts der drängenden Fragen unserer Zeit wichtiger denn je sind. Tatsächlich hatten wir die vielleicht freakige Vorstellung, eine Art Philosophieschule zu gründen, die die Philosophie aus der akademischen Nische herausholt ins pralle Leben.

Armin: Kennengelernt haben wir uns tatsächlich zu Beginn des Philosophiestudiums in Mainz, ich glaube es war in einem Proseminar zur Philosophie der Religion von Hegel. Schon in dieser Anfangszeit haben wir festgestellt, dass man sich durch philosophische Texte richtiggehend durchbeißen muss – was irgendwie sehr schade ist, da sie sich in vielen Fällen mit den Grundlagen unseres Lebens befassen. Außerdem stellt die Philosophie einen wunderbaren Werkzeugkasten zur Verfügung, um solche grundlegenden Fragen anzugehen. Also, haben wir uns gedacht, die Philosophie muss raus aus den akademischen Zirkeln und wieder unter die Leute.

Melanie: Wen und was möchtet Ihr mit Philosurfers erreichen und was genau ist das Konzept von Philosurfers? Und warum ausgerechnet Rheinhessen?

Armin: Die Philosurfers sind für alle Menschen gedacht, die sich nicht mit vorgefertigten Antworten abfinden, sondern Lust aufs Selberdenken haben. Das Konzept ist, dass man sich in entspannter Atmosphäre, z. B. bei einem Glas Wein und kleinen Knabbereien, den wesentlichen Fragen des Lebens und unserer Zeit annähert. Dafür stellen wir in jedem Kurs ein thematisches Gerüst bereit, dass die TeilnehmerInnen dann mit ihren Gedanken und Diskussionsbeiträgen füllen können.

Mit den Philosurfers in Rheinhessen zu starten hat sich in gewisser Weise organisch ergeben. 2016 hatten wir im Rahmen von 200 Jahren Rheinhessen unsere erste Veranstaltung im Bio-Weingut Schönhals mit dem Titel „In vino veritas – Wein und Wahrheit“. Die Zusammenarbeit mit der Familie Schönhals hat so viel Spaß gemacht und das Weinatelier uns mit seiner wunderbaren Atmosphäre derart eingefangen, dass wir dachten: da müssen wir mal eine ganze philosophische Reihe machen. Außerdem bin ich als Eingeborener der Region auf besondere Weise verbunden und träume davon, dass das kulturelle und kulinarische Angebot im Alzeyer Land einmal so reichhaltig sein wird, dass wir es locker mit Mainz oder Frankfurt aufnehmen können.

Esther: Grundsätzlich können wir uns vorstellen, ins Rhein-Main-Gebiet zu „expandieren“ und auch Kurse in Mainz, Frankfurt und Darmstadt anzubieten. Dem rheinhessischen Wein werden wir aber treu bleiben, denn mit ihm philosophiert es sich einfach besser.

Melanie: Seit dem 11. April beschäftigt sich Eure Philosophische Reihe mit der Frage „WAS IST EIN GUTES LEBEN?“. Zum Auftakt der Kurs-Reihe habt Ihr den Teilnehmern einen Überblick der philosophischen Ansätze zu der Fragestellung vermittelt. Wie geht’s jetzt weiter und was erwartet die Teilnehmer in den Folgeterminen? 

Armin: In den Folgeterminen nehmen wir die verschiedenen Ansätze in der Philosophie, wie ein gutes Leben erreicht werden kann, näher unter die Lupe. Wir versuchen die Ansätze spannend und unterhaltsam mit Bildern, Filmeinspielungen, Bastelarbeiten und natürlich Diskussionen rüberzubringen. Eines meiner Anliegen dabei ist, dass sich ein gutes Leben nicht nur auf einen selbst bezieht, sondern auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen sollte.

Esther: Den Löwenanteil vom „Guten Leben“ bestreitet ja Armin. Am 9.5. leite ich einen Abend; da gehen wir zu den Ursprüngen der Philosophie zurück, nämlich ins antike Griechenland. Wir werden uns mit Konzepten der Lebenskunst – tatsächlich ein ganz altehrwürdiger philosophischer Begriff – beschäftigen.  Und die alten Griechen haben uns da einiges Spannendes zu sagen!

Melanie: Ihr gestaltet Eure Kurse lebhaft und unkonventionell. Auch beim Kurs-Honorar geht Ihr ungewöhnliche Wege. Mögt Ihr kurz erklären wie das bei Euch gehandhabt wird?

Armin: In unserer Gesellschaft dreht sich ja sehr viel ums Geld. Ich glaube jedoch, dass Geld kein gutes Steuerungsmittel für wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse ist. „Werte“ sind aus meiner Sicht viel besser dafür geeignet. Statt z. B. über den Preis einer medizinischen Behandlung sollten wir besser über den Wert von Gesundheit nachdenken. Für unser „Preissystem“ haben wir diese Überlegung einfach übernommen. Die Teilnehmer sollen am Ende der Veranstaltung überlegen, was ihnen der Kurs gebracht hat, welchen Wert er für sie gehabt hat, und sollen diesen Wert dann in einen Preis übersetzen. Das Ganze betrachten wir als eine Art Experiment mit offenem Ausgang. Wir hoffen natürlich, dass das Experiment glückt, sehen aber auch, dass es anders ausgehen kann. Falls es nicht funktioniert, müssen wir über alternative Lösungen nachdenken.

Melanie: Welche Kurse bzw. Themen sind nach der Kurs-Reihe geplant? Gibt es etwas, was Ihr – neben zusätzlichen Kursteilnehmern – dringend zur weiteren Entwicklung von Philosurfers benötigt? Was sind Eure Pläne?

Esther: Ich plane einen Kurs zum Thema „Bullshit“ – ja, das ist tatsächlich ein philosophischer Begriff. Weiterhin beschäftigt mich derzeit die Frage nach dem Bösen – hier wäre es spannend zu sehen, wie sich die Philosophie diesem Thema, das meist ja eher von religiöser oder psychologischer Seite aus beleuchtet wird, nähert. Außerdem könnten wir uns vorstellen, für treue Fans bereits begonnene Themen weiter auszubauen. In unserer ersten Veranstaltung zum Kapitalismus hat sich ja gezeigt, dass es ganz viele Punkte zum Weiterdenken gibt und das Thema noch lange nicht erschöpft ist.

Armin: Was uns so an inhaltlichen Ideen im Kopf herumschwirrt, kann man auf unserer Website unter „Werkstatt & Ideensammlung“ bestaunen. Von aktuellen Themen wie „Digitalisierung“ über ironisch zwinkernde Sachen wie den „Laden für metaphysischen Alltagsbedarf“ bis zum „Philoquiz“ ist alles dabei. Neben den Kurse denken wir auch über ein zweites Standbein nach, dem „Rent-a-Philosurfer“. Unter diesem Label sollen uns Unternehmen und Privatpersonen bzw. –gruppen „mieten“ können. An Ideen mangelt es uns also nicht.

Die drängendsten Fragen für die Philosurfers sind die Raumfrage, da wir zurzeit noch über keine eigenen Räume verfügen, sowie die Wirtschaftlichkeit. Im Moment übersteigen die Investitionen in das Projekt die Einnahmen durch die Kurse. Das ist in einer Initialphase aber auch nicht weiter ungewöhnlich. Mittelfristig muss es jedoch das Ziel sein, dass die Philosurfers auf eigenen, wirtschaftlich autonomen Beinen stehen.

Melanie: Auf Eurer Homepage kann man lesen, das Esther tierlieb ist und zwei Kater besitzt und Armin eine Leidenschaft für Mousse au Chocolat hat. Was ist – abgesehen von den kuscheligen Vierbeinern und der süßen Leidenschaft – für Euch persönlich ein gutes Leben? 

Esther: Also ich finde, dass der Hedonismus in seiner ursprünglichen Form durchaus attraktiv ist – eine Philosophie der Leidvermeidung scheint mir nicht ganz falsch zu sein. Wenn da das notwendige politische Moment hinzukommt, also der Aspekt, dass grundsätzlich allen Menschen ein Leben ohne Leid möglich sein sollte, dann ist das für mich eine ganz runde Sache.

Armin:

  • Mehr Mousse au Chocolat.
  • Ein gutes Leben hat für mich, so abgedroschen es auch klingen mag, mit Weisheit zu tun. Im Apollotempel zu Delphi, im antiken Griechenland, war der Spruch zu lesen: „Erkenne dich selbst“. Es ging dabei nicht um Selbstbespiegelung, sondern darum, sich als ein Individuum zu erkennen, dass in biologische, psychische und soziale Zusammenhänge eingebunden ist. Ein weiser Mensch betrachtet sich als Teil dieser Zusammenhänge und behandelt z. B. seine Umwelt und seine Mitmenschen mit dem gleichen Respekt und der gleichen Sorgfalt wie sich selbst. Man erfreut sich an guten und fair produzierten Lebensmitteln, an einem Gläschen Wein mit Freunden oder an einem gesellschaftlichen Engagement. Man braucht weder das neuste iPhone-Modell noch die obligatorische Urlaubsreise, um glücklich zu sein. Toll.

Ein toller Abend mit den Philosurfers Esther & Armin im Weingut Schönhals in Biebelnheim!

Magst Du mehr von Esther & Armin und der philosophischen Runde erfahren? Dann schaue doch direkt einfach mal auf Philosurfers vorbei. Vielleicht sehen wir uns im nächsten Kurs?  Würde mich freuen!

Ich hatte bei dem Interview viel Spaß und hoffe, dass wir Dich damit inspirieren und Dir Mut gemacht haben zu sehen, dass DAS LEBEN SCHÖN IST…AUCH OHNE HAARE!! 

Hat Dir das Interview gefallen oder hast Fragen dazu? Freue mich über Deinen Kommentar!

 

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